Nicolaus Copernicus und das aristotelisch-ptolemäische Monster

Autor/innen

  • Armin Gerl

Abstract

Die Motivation des Nicolaus Copernicus zum Umsturz des ptolemäischen
Weltbildes der Astronomie wurde bisher unzureichend dargestellt.
Textstellen bei Copernicus, bei seinem Schüler Rheticus, das Planetenmodell
Tycho de Brahes und Arbeiten von Härtner und Neugebauer
ermöglichen berechtigte Zweifel an den gängigen Motivdeutungen.
Die Asymmetrie des beim Zusammenbau der einzelnen Planetenkonstruktionen
entstehenden ptolemäischen "Monsters" war nach den Aussagen des
Copernicus selbst, wie seines Schülers Rheticus oder des Galilei ein
starkes Motiv für die Einführung der Erdbewegung und die Heliozentrik.
Die Asymmetrie des ptolemäischen "Monsters" äußert sich in den
"Riesenepizykeln" von Venus und Mars und einem überstarken "Ausgebuchtetsein"
der zugehörigen homozentrischen Kristallsphärenkonstruktion
.
Die kopernikanische Lösung der Asymmetrieproblematik schafft einen
harmonischen Erklärungszusammenhang aller Planetenbewegungen aus der
einen Ursache der Erdbewegung (im heliozentrischen System) heraus;
diese Harmonie erklärt eine Vielzahl von bereits vor Copernicus
bekannten astronomischen Beobachtungen, die im ptolemäisch-
alfonsinischen Weltbild ohne Erklärungszusammenhang blieben.
Die Begriffe Symmetrie und Harmonie dürften die Hauptmotivation zum
"Copernicanischen Umsturz" gewesen sein. Der Harmoniebegriff des
Copernicus geht weit über eine nur ästhetisch-pythagoräische Bedeutung
hinaus, er besitzt kausallogischen Charakter und weist auf modernes
naturwissenschaftliches Argumentieren, sowie der Symmetriebegriff ein
Grundmuster vereinfachender mathematischer und physikalischer Weltorientierung
darstellt. (Copernicus besaß ein sehr fein ausgeprägtes
Symmetriebewußtsein, wie seine Dreieckslehre zeigt).

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Veröffentlicht

2023-07-26